11 Tipps für das Reden vor Menschen

Als Zauberin muss ich das – also vor Menschen reden. Und glücklicherweise macht es mir Freude.

Sara Ritter im The Ritz-Carlton, Berlin

Viele Menschen sprechen allerdings nur sehr ungern vor einer Gruppe, egal ob es eine Ansprache auf einer privaten Geburtstagsfeier oder ein Vortrag auf einer öffentlichen Veranstaltung ist.

Vielleicht hilft dir meine lose Sammlung von Tipps rund ums Thema “Reden vor Menschen”, damit du dich bei deinem nächsten Vortrag wohler fühlst oder die nächste Rede ohne Aufregung genießen kannst.

Dieses Sammelsurium ist eine Zusammenstellung aufgrund meiner persönlichen Auftrittserfahrungen. Los geht`s.

1. Bereite dich vor.

Durchdringe das Thema, über das du sprechen willst. Es ist immer sinnvoll, mehr über das Thema zu wissen, als man am Ende erzählt. Und auch wenn du “nur” eine Rede auf der Hochzeit deines besten Freundes halten möchtest, ist es praktisch, viele Anekdoten und Informationen zu sammeln, bevor du mit dem Schreiben der Rede beginnst – so kannst du aus dem Vollen schöpfen.

Wenn du deinen Vortrag oder deine Rede ausarbeitest, berücksichtige den Zeitrahmen. Wie lang darfst / sollst du reden?

Einen wichtigen Hinweis kann ich mir eigentlich fast sparen, trotzdem verschone ich dich nicht: Übe deinen Vortrag.

2. Kenne dein Publikum.

Beschäftige dich mit der Zielgruppe deines Vortrags. Denn – so überraschend es klingen mag – niemand muss dir zuhören. Du musst dein Publikum erobern, es für dich gewinnen. Also stelle dich auf dein Publikum ein!

Folgende Fragen können dir bei der Vorbereitung helfen:

  • Wie groß ist das Publikum?
  • Wie ist die Gruppe, vor der ich sprechen möchte, zusammengesetzt? (Was weiß ich über die Alterstruktur? Kennen sich die Anwesenden untereinander? Usw.)
  • Welches Interesse haben die Anwesenden an meinem Vortrag? (Sind die Zuhörer freiwillig hier oder wurden sie verpflichtet?)
  • Welches Vorwissen bringen die Zuhörer mit?
  • Welche Erwartungen hat mein Publikum an das Thema?

3. Kleide dich angemessen.

Deine Kleidung solltest du mit Sorgfalt aussuchen. Wenn du unangemessen gekleidet bist oder deine Kleidung Auffälligkeiten aufweist (beispielsweise Risse, Löcher, Flecken, hochstehender Kragen, fehlende Knöpfe), zieht das die Aufmerksamkeit deiner Zuhörer auf sich. Ihr Kopf ist dann damit beschäftigt, den fehlenden Knopf zu analysieren und zu prüfen, ob es noch irgendetwas anderes an deiner Kleidung zu “beanstanden” gibt – und verpasst dadurch deinen wunderbaren Vortrag.

Ach, und: Wähle deinen Kleidungsstil dem Anlass entsprechend. Wenn die Kleidung angemessen ist, wirst du dich wohl in deiner Haut fühlen und beim Vortrag entspannter sein.

4. Sammle dich.

Es wird ernst. Der Moment deiner Rede ist gekommen. Nun wollen wir keine Hetze aufkommen lassen!

Sei rechtzeitig vor Ort, so dass du  zum Beispiel die Technik in Ruhe testen und ggf. austauschen lassen kannst.

Nimm dir vor Beginn auch ein paar Minuten nur für dich, entspanne dich mit Atemübungen oder einer kurzen Meditation.

Wärme deine Stimme auf.

5. Verwurzele dich.

Ein Tipp, der kurz vor dem Auftritt gegen aufflammendes Lampenfieber hilft. Stelle dich entspannt hin, die Füße sind hüftbreit auseinander. Nun schließe die Augen und atme tief ein. Halte die Luft kurz an und dann atme langsam wieder aus. Nun spüre bewusst (während du natürlich weiter atmest) den Boden unter deinen Füßen. Konzentriere dich auf deine Fußsohlen und wie es sich anfühlt, auf dem Boden zu stehen. Verwurzele dich! Du wirst merken, dass du ruhiger wirst und entspannter beginnen kannst. Bevor du vor deine Zuhörer trittst, solltest du die Wurzeln vorsichtig lösen – sonst siehst du aus wie Michael Jackson in “Smooth Criminal”. Kchkch.

6. Übe für Pannen oder Störungen.

Wie reagiere ich, wenn ein Zuhörer durch ständiges Zwischenrufen stört? Was mache ich, wenn die Technik ausfällt? Auf viele Situationen kann man sich vorbereiten.

reden7. Freue dich auf dein Publikum.

Die Einstellung spielt eine große Rolle. Wer sein Publikum als bedrohlich empfindet, kann es nicht erreichen. In der Regel haben wir es mit Menschen zu tun, die wir erreichen wollen. Also suche ruhig Blickkontakt – und wenn es nur mit denen ist, die dir unter den Anwesenden wohlgesonnen scheinen. Dabei solltest du natürlich nicht starren, sondern den Blick ruhig schweifen lassen. Schaue mal diesem, mal jenem in die Augen. So fühlen sich alle wahrgenommen. Und wenn du dann noch mit einer inneren Vorfreude an die Rede herangegangen bist, wird sich deine positive Ausstrahlung auf die Personen vor dir übertragen.

Ein Großteil deiner Wirkung wird nonverbal erreicht. Eine positive Grundhaltung wird dich sympathisch wirken lassen.

8. Gehe souverän mit Hängern um.

Zunächst kannst du dich vorher darauf einstellen, dass so etwas jedem passieren kann und dich für den Fall der Fälle vorbereiten, wie du dann am liebsten reagieren möchtest. (Siehe Punkt 6.)

Natürlich wird ein Hänger in den meisten Fällen vom Publikum bemerkt. Darum gilt es, die Situation elegant zu meistern, anstatt irgendeinen Versuch des Überspielens zu starten. Wenn du souverän und offen damit umgehst, dass du gerade einen Hänger hast, wird dein Publikum dich umso sympathischer finden. Sieh einen Hänger als Chance, dich von deiner menschlichen Seite zu zeigen. Dein Publikum freut sich, kurz hinter die Fassade des perfekten Vortragenden schauen zu dürfen. Wenn du mit einer scherzhaften Bemerkung direkt zugibst, dass du gerade einen Hänger hast, werden deine Zuhörer gemeinsam mit dir darüber lachen können und du wirst schnell in deine Rede zurückfinden.

9. Lerne von anderen.

Als ich mit dem Zaubern begann, riet mir Ully Loup: “Wenn du ein guter Zauberer werden willst, schau dir gute Zauberer an! Geh ins Varieté oder in Shows und lerne.” Den gleichen Rat möchte ich auch dir geben. Höre anderen Rednern zu. Besuche Vorträge. Du wirst Vorbilder finden, denen du nacheifern magst.

10. Nutze deine Chancen.

An dieser Stelle möchte ich den berühmtesten Redner des alten Roms zitieren: “Reden lernt man nur durch reden.” Also: Wenn sich für dich die Gelegenheit zu einer Rede ergibt oder du die Möglichkeit erhältst, vor einer Gruppe einen Vortrag zu halten, dann nutze diese Chancen. Je mehr du übst, umso sicherer und besser wirst du. (Klar wie Kloßbrühe, oder?) Und je sicherer du wirst, umso weniger Lampenfieber wirst du haben. Unser Gehirn mag Routine und Routine entwickelt sich durch Wiederholung. Darum noch einmal: Gelegenheiten zum Reden nutzen! Du könntest dich bei beruflichen Besprechungen zu Wort melden oder in der Kassenschlange im Supermarkt einen Fremden ansprechen. Das übt das Reden und nimmt die Scheu. (Ich habe jetzt oft genug wiederholt, wie wichtig das wiederholende Üben ist, oder?)

Dem schlauen Leser ist natürlich sofort aufgefallen, dass ich bisher nur zehn Tipps genannt habe. Und nun fragst du dich sicher, ob ich nicht zählen kann. Ha! Genau darum ging es mir. Dieses Stirnrunzeln, dieses Grübeln, wo der elfte Tipp ist. Mit der Überschrift habe ich eine Erwartung geweckt, die du erfüllt sehen möchtest. Und damit wären wir dann auch beim elften Tipp: nutze diese Methode in deinen Vorträgen. Arbeite vereinzelt mit Cliffhangern, Ankündigungen und “Erwartungsweckern”, um die Zuschauer bei der Stange zu halten. Sie werden dir noch besser zuhören, wenn sie auf eine bestimmte Information in deinem Vortrag warten.

Mir fällt gerade auf, wieviel ich zu diesem Thema zu sagen habe. Trotzdem höre ich langsam auf, denn so einen langen Text liest doch kein Mensch!!! Ich werde das Thema “Reden vor Menschen” ein anderes Mal wieder aufgreifen und um weitere Tipps und Erfahrungen ergänzen. Allein zur Körperhaltung und Körpersprache gäbe es noch jede Menge zu sagen. Und gegen evt. auftretendes Lampenfieber kann man auch jede Menge tun. Aber das steht dann in einem weiteren Beitrag. Fürs erste wünsche ich dir viel Erfolg – wo auch immer dir meine Tipps hilfreich sein werden.

 

Foto oben: C. Bach

Grafik mit Sprechblasen: yayha / 123RF Lizenzfreie Bilder

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